Haartransplantation vs. Haarsystem – was ist besser?

Hey Leute!

Auch wenn Betroffene oft nicht darüber sprechen – Haarausfall kann sehr belastend sein. Mit jedem Blick in den Spiegel fühlt man sich unwohl. Und das Schlimmste: Man kann nichts dagegen tun, dass die Haare ausfallen.

Und obwohl das so ist, bedeutet das nicht, dass es keine Lösungen gibt. Die Bekannteste ist die Haartransplantation. Immer mehr Männer greifen heute darauf zurück und lassen sich – meist das Hinter- oder Seitenhaar des Kopfes – operativ entnehmen und an den kahlen Stellen einsetzen.

Tadaaa – Haarproblem gelöst! Aber ist das wirklich so einfach? Ist eine Haartransplantation DIE Lösung gegen deinen Haarausfall? Oder gibt es sogar für dich besser geeignete Alternativen?

Jeder Körper funktioniert anders

Kurzer Spoiler: Es gibt kein pauschales richtig oder falsch. Jeder Körper und jede Kopfhaut funktioniert anders. Ich selbst habe eine Haartransplantation hinter mir – die leider nicht gut verlief. Das heißt natürlich nicht, dass es bei dir genauso laufen muss. Im Gegenteil: Eine Haartransplantation hat viele Vorteile und schon vielen Menschen zu einem besseren Lebensgefühl verholfen – mir auch (zwischenzeitlich)! Sie hat aber eben auch einige Nachteile. In diesem Artikel werde ich versuchen, dir beide Seiten ganz objektiv näherzubringen und dir auch die Alternative Haarsystem vorstellen.

Die Vorteile einer Haartransplantation:

Haare entnehmen, Haare einsetzen, volles Haar, fertig – klingt super! Und obwohl es in der Praxis natürlich nicht ganz so easy ist, ist es schon reizvoll, einmalig Zeit und Geld zu investieren um den eigenen Haarausfall in den Griff zu bekommen.

Ich habe meine Haartransplantation in Hamburg machen lassen und war absolut zufrieden. Der Arzt hat sich super gekümmert und war auch nach der Operation jederzeit für mich da. Dafür, dass mein Körper mit einem sehr hartnäckigen Ekzem auf der Kopfhaut reagiert hat, konnte er nichts. Und letztendlich war es sogar günstiger, als es in der Türkei oder sonst wo der Fall gewesen wäre. Zudem wird bei der Haartransplantation ausschließlich  Eigenhaar entnommen. Dadurch ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die implantierten Haare auch wirklich anwachsen.

Wie erwähnt: Es gibt viele gute Gründe für eine Haartransplantation, allen voran die Kosten. Neben den genannten positiven Aspekten gibt es aber auch Gründe, die gegen eine Haartransplantation sprechen.

Die Nachteile einer Haartransplantation:

Vorab sei aber gesagt: Die folgenden Punkte müssen nicht auf dich zutreffen. Es sind lediglich Dinge, denen man sich bewusst sein sollte, bevor man sich für eine Haartransplantation entscheidet. Auch ich habe mich damals – wenn ich jetzt im Nachhinein darüber nachdenke – etwas zu schnell entschieden.

1. Die Schmerzen:

Was viele vergessen: Es ist immer noch eine Operation – und zwar am Kopf! Und obwohl der Kopf natürlich betäubt wird, sind die Zentimeterlangen Nadeln, mit denen seitlich in deine Schläfe gespritzt wird, alles andere als angenehm. Dazu kommt, dass du auf dem Bauch liegend überall rechts und links überall dein Blut sehen wirst, dass durch die Haarentnahme am Hinterkopf austritt. Am schmerzhaftesten waren aber die Spritzen in die Geheimratsecken – das war wirklich nicht ohne! Trotzdem muss ich sagen, dass ich mir die Schmerzen nach der OP schlimmer vorgestellt habe. Ich war lediglich etwas benommen und einfach erschöpft. Auch in den Folgewochen war alles gut.

2. Die Zeit 

Wenn du mit der OP durch bist, beginnt erstmal eine lange Zeit des Wartens. Am Anfang siehst du aus wie ein Streuselkuchen, danach ist deine Kopfhaut knallrot und dann kommen irgendwann die ersten Haare. Ca. 4-6 Monate dauert dieser Prozess. Bis dahin hieß es für mich: Cap tragen und möglichst wenige Mitmenschen sehen. Denn eins sei gesagt:  Schön wird deine Kopfhaut in diesem Zeitraum nicht aussehen. Umso größer war meine Freude, als knapp vier Monate später die ersten Haare rauskamen und mir ein Gefühl von Erleichterung nach langer Leidenszeit gaben. Ich hatte „Glück“, dass meine OP in die Zeit unserer Corona-Lockdowns fiel und ich dementsprechend wenig Menschen gesehen habe. Sei dir also bewusst, dass du die Monate danach vermutlich eher ungern unter Menschen sein wirst.

3. Der Haarwuchs 

Der aus meiner Sicht entscheidendste Punkt. Wenn du dich für eine Haartransplantation entscheidest, musst du dir klar darüber sein, dass immer ein Restrisiko besteht. Dass die Haare irgendwann wieder ausfallen können. Oder gar nicht erst anwachsen. Oder sich deine Kopfhaut nach der OP – wie bei mir – entzündet und deine Haare wieder ausfallen nachdem sie alle gut angewachsen sind (man, war das eine Scheiße). Wie gesagt: Das ist nicht der Regelfall, aber es ist möglich. Ein wichtiges Kriterium hierbei ist übrigens auch das Alter. Haarausfall ist erst ab dem ca. 40. Lebensjahr abgeschlossen. Deshalb informiere dich vorher genau über die Erfolgschancen deiner Transplantation.

Das Haarsystem – Alternative zur Haartransplantation?

Obwohl die Haartransplantation die bekannteste Lösung ist, ist sie nicht die Einzige. Wie versprochen stelle ich dir jetzt noch eine Alternative vor: Das Haarsystem. Zugegeben: Ich bin großer Fan und Träger von Haarsystemen und daher – vor allem nach meiner missratenen Haartransplantation – bei dieser Thematik nicht ganz unbefangen. Trotzdem werde ich auch hier versuchen, dir die Vor- und Nachteile ganz objektiv darzustellen. Also here we go:

Die Nachteile von Haarsystemen

1. Laufende Kosten

Der größte Nachteil gegenüber einer Haartransplantation. Trotz sehr guter Qualität hält ein Haarsystem im Schnitt zwischen 4-6 Monaten. Manchmal auch länger. Wenn du darüber hinaus Haare haben möchtest, kommst du nicht drumherum, dir irgendwann ein neues zuzulegen. Hinzu kommen Kosten für diverse Produkte, mit denen du dein Haarsystem pflegst. Das Gute dabei: Je besser du es pflegst, desto länger hält es. Du hast die Lebensdauer deines Haarteils also ein stückweit selbst in der Hand. Dazu kann ich aus persönlicher Erfahrung sagen, dass die Kosten eines Haarsystems in einem eigentlich lächerlichen Verhältnis zu der Lebensqualität stehen, die man durch seine neuen Haare gewonnen hat.

2. Die Pflege

Wie schon angesprochen, ist die Pflege und das Wechseln des Haarsystems kein zu unterschätzender Zeitfaktor. Ich persönlich habe zwei Systeme, die ich immer abwechselnd trage. Heißt, ich nehme mir einmal in der Woche Zeit, mein getragenes Haarsystem abzunehmen, es zu reinigen, das neue zu kleben und aufzusetzen. Gerade am Anfang habe ich mit der Vielzahl der Produkte und dem Wechselablauf wirklich Probleme gehabt. Es war mir alles zu viel. Mittlerweile läuft aber alles reibungslos. Knapp 1,5 Stunden plane ich mir pro Woche dafür ein. Einfach, weil ich mir gerne dabei Zeit lasse und nebenbei entspannt einen Podcast oder Ähnliches höre. Wenn du viel unterwegs sein solltest oder dein Alltag sehr variabel ist, dann musst du an manchen Stellen deinen Wechsel und deine Zeit dafür etwas besser planen und timen. Aber keine Angst: Wenn ich das kann, kannst du das schon lange! Und selbst, wenn du wie ich zu Beginn Schwierigkeiten hast, wirst du zu jeder Zeit bei allen Fragen unterstützt. Das hat mir persönlich viel Druck genommen.

Die Vorteile von Haarsystemen:

Die Vorteile von Haarsystemen ergeben sich hauptsächlich aus den Nachteilen einer Haartransplantation:

1. Neue Haare in 2 Stunden – ohne Schmerzen!

Auch wenn sich das für dich jetzt vielleicht – vor allem, wenn du dich schon seit Jahren mit Haarausfall herumquälst – verrückt anhören muss: Ja, nach 2 Stunden hast du wieder komplett volles Haar.

Dein Haupthaar bzw. Teile davon werden bis zur Glatze abrasiert und dein Haarteil mit Klebestreifen auf deinem Kopf fixiert. Der ganze Prozess – für zwei Haarsysteme wohlbemerkt – dauert tatsächlich nur zwei Stunden und ist daher komplett schmerzfrei.

2. Flexibilität

Ich persönlich war am Anfang sehr skeptisch. Ist so ein Haarsystem alltagstauglich? Kann ich damit Sport machen? In den Urlaub fliegen? Schwimmen gehen? Knapp ein Jahr nach meinem ersten Haarsystem kann ich sagen: Ja, das geht alles. Natürlich muss man auf ein paar Dinge achten, beispielsweise das Haar in der Sonne besonders zu pflegen oder am Tag des Wechsels auf Sport und Schweiß zu vermeiden. Im Grunde gibt es aber quasi nichts, was du damit nicht machen kannst. Fußball spielen, schwimmen, laufen, Sauna – alles kein Problem. Laut eigener Aussage von Heydecke ist sogar Extremsport möglich. Gut, dass ich in den nächsten Monaten einen Fallschirmsprung geplant habe.  Ich werde euch berichten!

3. Die Haardichte und Natürlichkeit

Der aus meiner Sicht größte Vorteil gegenüber einer Haartransplantation: Die Haardichte. Es ist wirklich krass, wie echt das Haarsystem aussieht. Die Übergänge zwischen Eigenhaar und Haarteil sieht man kaum. Das ist auch das Feedback, das ich von vielen meiner Freunde bekommen habe. Einer dachte sogar, das wäre das Resultat meiner Haartransplantation gewesen.

Leider muss man sagen, dass sich – vor allem, wenn du viel Haarausfall und grundsätzlich eher dünnes Haar hast, mit einer Haartransplantation längst nicht die Haardichte erzielen lässt, wie man mit einem Haarsystem schaffen kann. Bei nur kleinen kahlen Stellen und viel Spenderhaar ist es möglich – aber leider betrifft das die wenigstens Männer.


Mein Fazit:

Haarausfall ist emotional belastend. Trotzdem bin ich dankbar, solche Optionen heutzutage haben zu können. Ich habe sowohl eine Haartransplantation sowie Haarsysteme ausprobiert und muss sagen, dass beides seine Vor- und Nachteile hat. Selbst Kombinationen sind möglich. Wenn ich mein Leben zurückspulen und neu entscheiden könnte, hätte ich wohl von Anfang an das Haarsystem gewählt. Trotzdem ist diese Entscheidung ganz individuell und hängt von den eigenen Gegebenheiten (wie z.B. Alter, Spenderhaar, Haardichte, Finanzen, etc.) ab.

Wenn dich das Thema beschäftigt, kann ich dir deshalb nur empfehlen, dich sowohl bei einem Arzt als auch bei Heydecke beraten zu lassen, um eine fundierte Entscheidung gegen deinen Haarausfall zu treffen. Beides ist möglich.

Ich hoffe, dir hat dieser Beitrag geholfen. Ich freue mich über Kommentare, Feedback und Fragen und hoffe, dass wir uns im nächsten Beitrag wieder sehen!

Dein Leo

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